Moskauer Metro verwandelt sich nachts in Zeitmaschine
Exklusiv-Reportage von Sputnik
Text: Vitaly Goldenberg
Fotos: Evgeny Biyatov/Anatoliy Garanin/
Ruslan Kriwobok
Video: Ivan Weber
Was tagsüber in der U-Bahn geschieht, ist den meisten Passagieren mehr oder weniger verständlich. Aber welche Geheimnisse birgt die Metro nachts? In Moskau gibt es sogar Legenden darüber, auf deren Suche sich nun Sputnik machte. Was eine gewöhnliche Reportage werden sollte, verwandelte sich in eine wahrliche Zeitreise

Wo die Züge zu Hause sind

Egal ob in der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, alle Züge starten im Depot, wo sie ihr Zuhause haben. Hier beginnt für das Sputnik-Team und andere Teilnehmer eines exklusiven nächtlichen Ausflugs durch das Moskauer Metro-Netz bereits der Zauber. Denn normalerweise dürfen nur Mitarbeiter den Betriebshof betreten.

Im Ismailower Depot (Nordost-Moskau) erholen sich die Züge nicht nur von ihrem stundenlangen Einsatz, sondern werden auch gereinigt und bei Bedarf repariert. Denn auch moderne Verkehrsmittel brauchen Pflege, um täglich Millionen Passagiere einwandfrei zur Arbeit und an andere Orte der russischen Metropole bringen zu können.

Das Depot bedient gleich drei der insgesamt 13 Linien der Moskauer Metro. Es behaust diverse Waggons verschiedener Jahrgänge, darunter auch einige Oldtimer und Waggons, die auf Basis deutscher Exemplare gebaut wurden. Außerdem befindet sich dort eine ganze Station, die nicht mehr als solche genutzt wird.

Geheimer Bahnhof

Die Station Perwomajskaja war von 1954 bis 1961 die Endstation der Arbatsko-Pokrowskaja-Linie (Nummer 3). Als die Linie verlängert wurde, wurde sie allerdings geschlossen. Zurzeit befindet sich dort eine Werkstatt für die Waggons. Auf den Wänden sind immer noch einige Buchstaben der U-Bahnhofstafeln zu erkennen.

Die Eintrittshalle der ehemaligen Station wurde später zu einer Art Aula für die Mitarbeiter umgestaltet, wo verschiedene Veranstaltungen und Feierlichkeiten stattfinden.


Blick in die Pilotenkabine

Modernste Technologien sorgen dafür, dass der Zug seine Passagiere sicher ans Ziel bringt, auch in Notfallsituationen, sollte beispielsweise der Lokführer in Ohnmacht fallen. Alles ist automatisiert – wenn nötig, bremst das System sanft von selbst.

Reise in die Vergangenheit

Speziell für den nächtlichen Ausflug bereitete die Moskauer U-Bahn einen Retro-Zug aus dem Jahr 1934 vor. Dieser stand in glänzendem Zustand im Ismailower Depot und wartete auf seine Gäste. Aktuell kommen solche Züge nur bei speziellen Anlässen wie diesem zum Einsatz.

Die Reise begann. Während die letzten Züge Richtung Endhaltestelle fuhren und ihre Passagiere nach Hause brachten, kam bereits die Magie der leeren Bahnhöfe zum Vorschein.

Dort, wo sich meist unzählige Menschen tummeln, herrschte plötzlich Ruhe und Stille. Statt Hektik kam die Pracht der sowjetischen Architektur so richtig zur Geltung. Ohne Fahrgäste sind die zahlreichen Details der Untergrundpaläste ganz genau zu sehen.

Das einstige Oberhaupt der Sowjetunion, Josef Stalin, war der Meinung, dass die Metro schön sein sollte. Zu der Zeit strömten unzählige Dorfbewohner in die Großstadt, die gewöhnlich sehr gläubig waren. Für sie galt die U-Bahn als eine Art Hölle. Um sie vom Gegenteil zu überzeugen, wurden die U-Bahnhöfe möglichst hell und prächtig gestaltet, damit sich die Passagiere wie unter offenem Himmel fühlten.

Sowjetisches Flair

Überraschend stiegen plötzlich auch weitere Menschen zu. Wie in einem Film sorgten Schauspieler in Retro-Kleidung für eine besondere Atmosphäre auf der Reise in die Vergangenheit.
Letztlich erschienen auch Väterchen Frost und seine Tochter Snegurotschka am Endziel (Station Kiewskaja), um den nächtlichen Passagieren einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen.
















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